MIKROBIOM UND GEBURT

Was vor, während und nach der Geburt für den Aufbau eines gesunden Mikrobioms getan werden kann.

Dr. Kelly Brogan

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DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK

  • Indem wir der Rolle von Krankenhauskeimen und der Beeinträchtigung der Übertragung mütterlicher Bakterien bei der Geburt unserer Kinder nicht genug Beachtung schenken, öff nen wir womöglich Fettleibigkeit, Asthma, Allergien und psychischen  Erkrankungen Tür und Tor.
  • Man glaubte lange, die Umgebung im Mutterleib sei steril. Heute wissen wir, dass Plazenta, Nabelschnur und Eihäute von Mikroben besiedelt sind, die dort wichtige Aufgaben erfüllen.
  • Forschungsergebnisse zeigen, dass eine vaginale Entbindung die Genexpression in überdauernden Zelllinien beim Neugeborenen  beeinfl usst und wichtig für eine gesunde Entwicklung ist.
  • Eine vaginale Entbindung zuhause senkt im Vergleich zu einer vaginalen Entbindung im Krankenhaus das Risiko von Ekzemen und einer Sensibilisierung für Nahrungsmittelallergene sowie das Asthmarisiko.
  • Während der Schwangerschaft sollten Gluten, Zucker, Pestizide und genetisch veränderte Nahrungsmittel – das heißt so gut wie alle Mais- und Sojaprodukte sowie Pfl anzenöle – gemieden werden.

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Meine Patienten sind oft überrascht, wenn ich sie frage, wo ihre

Geburt stattgefunden hat und ob dabei Krankenhausmauern und der Geburtskanal ihrer Mutter ausschlaggebende Faktoren waren oder nicht. Als jemand, der die neuste Literatur zur Bedeutung des Mikrobioms für die Regulation der Immunantwort, für Entzündungsprozesse und die Gehirngesundheit aufmerksam verfolgt, interessiert mich besonders die prägende Rolle des Geburtsvorgangs für die spätere psychische Gesundheit. Psychische Gesundheit und seelisches Wohlbefinden sind oft, wenn nicht immer, ein Spiegelbild des körperlichen und physiologischen Gleichgewichts: des Hormon-, Darm-, Immun- und neurochemischen Systems. Aus dieser Perspektive betrachtet, stellen Allergien und Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselentgleisungen und Krebs allesamt relevante Indikatoren für die Art dieses multifokalen Ungleichgewichts und den Weg zu einer Reparatur dar.

Erkrankungen wie Zwangsstörungen1 können als Problem betrachtet werden, das von einem Komplex aus Entzündung/Immunsystem/ Mikrobiom ausgeht und für das es eine nicht-medikamentöse Lösung gibt (anstatt diese Symptome einem angeblichen „Serotoninungleichgewicht“ zuzuschreiben). Wachsende Evidenz spricht dafür, dass das Darm-Mikrobiom im Hinblick auf die Beeinflussung von Stressreaktionsmustern, insbesondere der Produktion und Regulation von Kortisol, eine Hauptrolle spielt.2

DER AUFSTIEG DER EPIGENETIK

Als wir mit dem Abschluss des Humangenomprojekts herausfanden, dass der überwiegende Teil unserer menschlichen Physiologie offenbar an einen anderen Ort außerhalb unserer rund 25.000 Gene ausgelagert wurde, begannen wir, uns auf die Epigenetik zu konzentrieren. Dieses Fachgebiet beschäftigt sich mit der Fähigkeit unseres Organismus, die Expression von Genen innerhalb des Epigenoms zu variieren, ohne die ursprünglichen Nukleotidsequenzen der DNA selbst zu verändern. Dieser Mechanismus wird vor allem durch Umwelteinflüsse in Gang gesetzt, deren Gesamtheit auch als Exposom bezeichnet wird.

Als größte Schnittstelle unseres Körpers mit der Umwelt beherbergt der Darm eine vorwiegend aus Bakterien bestehende Mikroflora, die unsere Genbibliothek um den Faktor 150 anwachsen lässt; er ist Sitz eines Großteils unseres Immunsystems.

Der Darm ist außerdem für die Verdauung ansonsten unverdaubarer Nahrungsbestandteile, für die Bereitstellung von ansonsten nicht verfügbaren Nährstoffen und sogar für die Entgiftung von Chemikalien verantwortlich, die ansonsten toxisch bleiben würden.3

MIKROBIOM UND GEBURT

Kurz gesagt, man kann den Darm wohl als die Ausgangsbasis für eine gute Gesundheit bezeichnen. Aber wie reift unser Darm heran?

Welche Faktoren tragen zu einer guten Darmgesundheit bei? Und ab wann?

VOR DER GEBURT

Zur umfangreichen Liste der Irrtümer in der Geschichte der Medizin gehört auch die lang gehegte Überzeugung, dass die Umgebung  im Mutterleib steril sei. Mittlerweile schließt unser breiteres Ver- ständnis des ubiquitären Vorkommens von Mikroorganismen auch  deren besonderen Platz in Plazenta, Nabelschnur und Eihäuten mit  ein.4 Auf diese Weise bereitet das Vorleben der schwangeren und werdenden Mutter voller Antibiotika, Verhütungsmittel, Gluten, genetisch veränderter Organismen (GVO), chronischem Stress und Impfungen den Boden für die Passage von mikrobieller Information für die Genexpression vor, während und nach der Geburt. Dies  unterstreicht die zentrale Bedeutung einer entgifteten Schwangerschaft und einer Ernährung mit hoher Nährstoffdichte. Ich beziehe mich auf die Erkenntnisse von Weston Price und greife auf Prinzipien der Paläo-Diät zurück, die der Bedeutung von tierischen Nahrungsmitteln mit hoher Nährstoffdichte für die Versorgung mit Fettsäuren, fettlöslichen Vitaminen, Cholin, B-Vitaminen und Zink Rechnung trägt.

Ich empfehle eine strikte Vermeidung von Gluten, Zucker, Pestiziden und genetisch veränderten Lebensmitteln, das heißt also fast allen heute auf dem Markt befindlichen Mais- und Sojaprodukten sowie Pflanzenölen.

WÄHREND DER GEBURT

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Ich bin es leid, über die „Sicherheit“ der Hausgeburt zu diskutieren. Gut durchgeführte Metaanalysen haben diese längst bewiesen, wie etwa die 2005 und 2013 im British Medical Journal5 veröffentlichten Arbeiten, die ergeben haben, dass die Häufigkeit von schwerer, akuter maternaler Morbidität, postpartaler Blutung und manueller Plazentalösung bei Hausgeburten (um mehr als die Hälfte) niedriger liegt. Diese Statistik und die Panikmache rund um die Geburt gehen am Kern der Sache gleichermaßen vorbei: Die Geburt ist kein medizinisches Problem, das es in den Griff zu bekommen gilt. Die Frauen haben es zugelassen, dass dieses höchst ursprüngliche und transformative Erlebnis von einem männlich dominierten Paradigma des missbräuchlichen Interventionismus infiltriert wurde. Keinesfalls sollte die Beweislast bei denjenigen liegen, die die Art verteidigen, wie wir seit unserem Erscheinen auf diesem Planeten gebären. Bei der Geburt geht es nicht darum, EKG-Linien, Schmerz- und Apgar-Scores zu überwachen.

Sie ist ein von der Evolution choreographierter Tanz in Seele und

Körper einer Frau, der in eine Mutter-Kind-Dyade mündet, eine Einheit, die erhalten, geschützt und respektiert werden muss. Ist es möglich, dass das Drittel der amerikanischen Frauen, das sich heute einer chirurgischen Entbindung unterzieht, die Fähigkeit verloren hat, so zu gebären, wie es die Evolution seit jeher vorsieht? Laut Dr. Stuart Fischbein,6 einem Experten für Hausgeburtshilfe, kamen im Jahr 1920 noch 99 Prozent aller Babys zuhause zur Welt, während eine Generation später, im Jahr 1950, 99 Prozent Krankenhausgeburten zu verzeichnen waren. Die Kaiserschnittrate hat sich seit 1996 um 50 Prozent erhöht – ohne dass damit eine Verbesserung der Neugeborenensterblichkeit eingetreten wäre.

In einer faszinierenden Studie mit dem Titel „Entbindung per Kaiserschnitt und die Epigenetik hämatopoetischer Stammzellen beim Neugeborenen: Auswirkungen auf die künftige Gesundheit?“ hat sich gezeigt, dass die vaginale Entbindung signifikante epigenetische Veränderungen auslöst, die als globale Unterschiede in der Methylierung und sogar in Form spezifischer, scheinbar mit der Dauer der Entbindung und dem vaginalen Geburtsweg korrelierter DNA-Loci in Erscheinung treten.

Das bedeutet, dass die vaginale Entbindung die Genexpression in überdauernden Zelllinien beim Neugeborenen beeinflusst – sie ist ein wichtiger Bestandteil des Prozesses! Über die unerwünschten Nebenwirkungen der Schmerzbekämpfung, die Beeinträchtigung des Stillbeginns und das mögliche Risiko einer postnatalen Depression hinaus stört und gefährdet eine medikamentierte Geburt außerdem die Gesundheit des Mikrobioms.

Wir wissen, dass der Darm des Neugeborenen nach einer chirurgischen Entbindung eher durch Keime der nicht-maternalen Hautflora als durch solche der maternalen Darmflora besiedelt wird,8, 9 aber  wie fällt der Vergleich zwischen auf vaginalem Weg zu Hause oder  im Krankenhaus entbundenen Neugeborenen aus?

VAGINALE ENTBINDUNG ZU HAUSE ODER IM KRANKENHAUS – GIBT ES EINEN UNTERSCHIED?

Diese Frage sollte eine 2011 im Journal of Allergy and Clinical Immunology10 erschienene Studie beantworten. In einer Geburtenkohorte wurden im Alter von einem Monat Stuhlproben sowie nach Vollendung des ersten sowie des 6. oder 7. Lebensjahrs Blutproben gesammelt.

Die Autoren kamen zu folgendem Schluss: „Die Besiedlung durch

Clostridium difficile im Alter von einem Monat ging über die gesamten ersten 6 bis 7 Lebensjahre hinweg mit Wheezing (pfeifende Atmung) und Ekzemen sowie mit im Alter von 6 bis 7 Jahren einsetzendem Asthma einher. Die vaginale Hausgeburt war gegenüber der vaginalen Entbindung im Krankenhaus mit einem niedrigeren Risiko von Ekzemen, der Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittelallergenen und von Asthma verbunden.“

Diese Untersuchung hat bestätigt, dass es bei den chirurgisch entbundenen Kindern zu einer Besiedlung durch „nicht-maternale Hautbakterien“ kommt, die von weniger nützlichen Bakterien etwa der Gattungen Bifidobacterium und Bacteroides geprägt ist.

Die Autoren führen die Unterschiede in den Gesundheitspara- metern dieser Kinder auf das Vorhandensein der pathogenen Spezies  Clostridium difficile zurück. Möglicherweise liegt auch ein unberücksichtigter Einfluss durch andere, verwandte Faktoren vor, der als Healthy User Bias bezeichnet wird – in dem Sinne, dass das Gesundheitsbewusstsein von Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, im Allgemeinen stärker ausgeprägt ist.

In der untersuchten Kohorte wurden 491 der rekrutierten Frauen der Gruppe mit „alternativem Lebensstil“ zugeordnet, geprägt durch „Erziehungspraktiken, Ernährungsgewohnheiten, restriktiven Einsatz von Medikamenten und Impfschemata, aber wir wissen, dass es je nach dem Ort der Entbindung fundamentale Unterschiede in der Keimbesiedlung gibt.“ In einem neueren Artikel wurde außerdem versucht zu erklären, was wir im Krankenhaus aus mikrobiologischer Perspektive falsch machen. Angesichts von jährlich 99.000 Todesfällen infolge von im Krankenhaus erworbenen Infektionen erscheint es denkbar, dass das ganze „Sagrotanisieren“, alle Bemühungen um Sterilität und die entsprechenden Arbeitsanweisungen für das Personal diesen tödlichen Krankheitserregern erst erlauben, Fuß zu fassen. Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass wir über das Men

„Keimexposition gleich Infektion“ hinwegkommen müssen, das zur Entwicklung milliardenschwerer Impfprogramme und dem rücksichtslosen Einsatz von Antibiotika und Desinfektionsmitteln geführt hat.

In der Zeitschrift Environmental Health Perspectives kann man hierzu lesen:11 „Eine neue Hypothese besagt, dass im Krankenhaus erworbene Infektionen nicht durch die Präsenz von krankmachenden Keimen zustande kommen, sondern durch das Fehlen von nützlichen.“ Zweifellos scheint es, als ob wir durch die Vernachlässigung der Rolle von Krankenhauskeimen und der Beeinträchtigung der Übertragung mütterlicher Bakterien bei der Geburt unserer Kinder Fettleibigkeit, Asthma, Allergien und psychischen Erkrankungen Tür und Tor öffnen.

 

MIKROBIOM UND GEBURT

 

ANTIBIOTIKAEINSATZ UNTER DER GEBURT: DER GROSSE GBS-BLUFF

Eine der spezifischen Gefahren einer medikamentierten Schwangerschaft besteht im routinemäßigen Screening auf bestimmte Krankheitserreger in der 35. bis 37. Schwangerschaftswoche: die Gruppe-B-Streptokokken (GBS). Obwohl diese bei der großen Mehrzahl der Frauen  zur kommensalen Flora der Vagina gehören, wurde der Glaube kultiviert, dass ihre Präsenz signifikante schädliche Auswirkungen habe.  Da nicht vorhergesagt werden kann, welche Kinder anfällig für eine Infektion mit diesen Keimen sein könnten, müssten 68.966 Frauen behandelt werden, um den Tod eines Neugeborenen zu verhindern12 – sofern dies durch Antibiotika überhaupt bewirkt werden kann. Hier sei der Goldstandard für eine objektive Beurteilung von Forschungsdaten, die Cochrane-Datenbank, zitiert:13

„Dieser Review kommt zu dem Ergebnis, dass die Gabe von Antibiotika nicht durch schlüssige Evidenz gestützt wird. Er bezieht sich auf vier Studien an insgesamt 852 GBS-positiven Frauen. Sehr wenige der niederkommenden Frauen, die GBS-positiv sind, gebären mit GBS infizierte Kinder, und Antibiotika können schädliche Wirkungen wie schwere allergische Reaktionen bei der Mutter, eine Zunahme von arzneimittelresistenten Organismen und die Exposition des Neugeborenen gegenüber resistenten Bakterien sowie postnatale Hefeinfektionen bei Mutter und Kind nach sich ziehen.“ Eine in Pediatrics14 veröffentlichte retrospektive Studie hat darüber hinaus ergeben, dass alle Kinder mit GBS-Infektion tatsächlich unter der Geburt Antibiotika erhalten hatten. Von möglicherweise noch größerer Tragweite sind das erhöhte Risiko von spät auftretenden, schweren Infektionen durch resistente Bakterienstämme, die infolge der intrapartalen Antibiotikaprophylaxe entstehen,15 und der 40-prozentige Anstieg der neonatalen Mortalität (trotz um 68 Prozent verminderter Besiedlung mit GBS), wenn die Neugeborenen nach der Geburt eine antibiotische Prophylaxe erhalten.16 Insbesondere wenn  wir GBS als unabhängigen Risikofaktor betrachten, könnten Knoblauch und Probiotika alles sein, was wir brauchen, um die vaginale Flora auf unbedenkliche Weise positiv zu beeinflussen.17,18, 19

Vielleicht stellen das universelle Screening ohne Berücksichtigung anderer zur GBS-Infektion des Neugeborenen beitragender Faktoren und die obligatorische intravenöse Gabe von Antibiotika, die nicht nur unwirksam, sondern auch eine Bedrohung für eine gesunde kommensale Mikroflora sind, nicht die beste Praxis dar. Andererseits beschäftigen sich die meisten in der Geburtshilfe Tätigen nicht mit evidenzbasierter Medizin, geschweige denn, dass sie sich für eine physiologische Geburt einsetzten.

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NACH DER GEBURT

Wir haben nun zwei Teile des dreiteiligen „mikrobiellen Erbes“ betrachtet. Das letzte Mittel zur Erziehung des Immunsystems, der Entzündungs- und Kortisolreaktion des Neugeborenen ist das Stillen. Muttermilch ist so viel mehr als nur Nahrung. Sie steht sinnbildlich für Nahrung als Information, als mehr denn die Summe ihrer Kalorien oder Mikro- und Makronährstoffe. Sie enthält Immunfaktoren, Bakterien (sogenannter entero-mammärer Kreislauf 20) sowie mehr  als 200 einzigartige Oligosaccharide, die den Darmbakterien als Nahrung dienen; diese sind nicht synthetisierbar und in keiner auf dem Markt befindlichen Säuglingsnahrung zu finden. Vor Kurzem wurden epigenetische Modifikatoren in Form von Paketen immunbezogener Information oder Exosomen in der Muttermilch entdeckt,21 was ein weiteres Licht auf die Hybris der Annahme wirft,  wir hätten alle Elemente der kindlichen Immunität und Ernährung, die in Jahrmillionen der Evolution entstanden sind, vollständig entschlüsselt.

Kinder werden mit einem entzündungshemmenden Phänotyp geboren, der dazu dient, sich für die genomische Erziehung und Expression vorübergehend auf die maternale Immunität zu verlassen. Eine durch Impfstoffe induzierte Antikörperproduktion und die in den Impfstoffen enthaltenen, immunstimulierend und toxisch wirkenden Adjuvantien haben in dieser Beziehung nichts zu suchen und stellen in keiner Weise einen Ersatz dar. Studien zeigen, dass impfinduzierte Antikörper bei 49 Prozent der Kinder von Müttern  mit natürlicher Immunität und bei 15 Prozent der im Alter von 8 Monaten Geimpften vorhanden sind.22, 23 Moderne Konzepte von Immunität und Psychoneuroendokrinologie haben das simplifizierte antikörperbasierte Paradigma der Impfstoffforschung obsolet gemacht.

Wie weit wir uns von unseren Wurzeln entfernt haben, zeigen Studien, die sich mit den überaus unterschiedlichen Darm-Mikrobiomen von heutigen Jägern und Sammlern und urban lebenden Italienern beschäftigt haben. Legt man die heute anerkannte

Schätzung zugrunde, dass 90 Prozent unserer Zellen bakteriellen Ursprungs sind, könnte man argumentieren, dass wir uns gewaltsam von der natürlichen Erscheinungsform unserer Spezies weg entwickelt haben, die durch eine Koevolution innerhalb eines Ökosystems geprägt war. Heute ist unser Menschsein an sich, das weitgehend durch die mikrobiellen Gesellschaften auf und in uns bestimmt wird, durch Exposition gegenüber medizinischen Eingriffen, Pharmaka, Gentechnik, Industrialisierung, Vergiftung unserer Nahrung und chronischen Stress pervertiert. Um diese Wunden zu heilen, müssen wir beginnen, die Unverletzlichkeit von Schwangerschaft, Geburt und Kindbett anzuerkennen und so das Fundament für die zukünftige seelische und körperliche Gesundheit jedes einzelnen unserer Kinder und Kindeskinder legen.

KOMMENTAR VON DR. MED. D. KLINGHARDT

Ich meine, dieser und der nächste Artikel von Dr. Kelly Brogan prechen für sich, und jeder von Euch sollte sie gewissenhaft durcharbeiten und durchdenken. Am siebten Tag nach der Geburt ist das kindliche Mikrobiom für das ganz Leben festgelegt bzw. programmiert, welche der 400 Bakterien und Pilzarten im Körper willkommen sind und welche nicht. Wir nehmen an, dass fast alle chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter durch ein defizientes Mikrobiom mitverursacht sind. Wie in meinem Editorial beschrieben, gibt es aber eine neue Lösung: der „Fecal Transplant” (Transplantation von gesundem Stuhl in den kranken Patienten). Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis die pharmazeutische Industrie uns den Zugriff darauf verbieten wird. Ich weiß, dass bei HoffmanLa Roche und anderen Pharmakonzernen im Moment viel Geld in die Bemühung gesteckt wird, die für unsere Gesundheit wichtigen Darmkeime zu patentieren… Doch andererseits wird an den GastroEnterologischen Abteilungen der Universitätskliniken in Amerika der

„Fecal Transplant” immer häufiger angewendet. Das ist sicher auch in Deutschland der Fall. Bitte findet heraus, wo in Eurem Umfeld diese tolle Therapie auf Eure Patienten wartet!

Quellen und Literaturhinweise

  1. Medical Hypotheses, February 2014;82(2):163-6
  2. Psychoneuroendocrinology, September 2012;37(9):1369-78
  3. Environ. Sci. Technol., 2012, 46 (9), pp 5151–5159
  4. PLoS Biol 11(8): e1001631
  5. BMJ 2013;346:f3263
  6. Birthinginstincts.com
  7. Am J Obstet Gynecol 2014;211
  8. CMAJ March 19, 2013 vol. 185 no. 5
  9. Gut. 2014 Apr;63(4):559-66
  10. J Allergy Clin Immunol. 2011 Nov;128(5):948-55.e1-3
  11. Environ Health Perspect; DOI:10.1289/ehp.122-A182
  12. Can Fam Physician. Jun 2007; 53(6): 1054–1055
  13. Cochrane Summary June 10, 2014
  14. Pediatrics Vol. 106 No. 2 August 1, 2000 pp. 244 -250
  15. Pediatrics. 2005 Sep;116(3):696-702
  16. Pediatrics. 1999 Jun;103(6):e78
  17. Mikrobiyol Bul. 2005 Jan;39(1):17-23
  18. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2009 Sep;146(1):110-1
  19. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs. 2014 May-Jun;43(3):294-304 20  Metagenomics, and Biomes in Health and Disease Volume 16, Issue 9,

      pages 28 91–2904, September 2014

  1. Int J Biol Sci. 2012;8(1):118-23
  2. Vaccine. 1997 Apr-May;15(6-7):620-3
  3. Pediatrics. 1995 Sep;96(3 Pt 1):447-50

 

 

 

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